Konzept

Bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts warnen Forscher vor dem Klimawandel und seinen katastrophalen Folgen für die Menschheit. Seit Jahrzehnten ist er in der Wissenschaft anerkannt und auch die Politik und die breite Gesellschaft sind sich diesem bewusst. Maßnahmen werden jedoch nur sehr zaghaft ergriffen, mitbegründet durch finanzielle Krisen und immer kurzsichtigere Investitionen. Die vorhandenen Möglichkeiten um immer schwerer wiegende Folgen abzuwenden werden nur zu einem Bruchteil genutzt. Dies gilt vor allem auch für das bisher sehr energieintensive Wohnen. Gleichzeitig driften Generationen auseinander und vor allem alte Menschen werden vermehrt in isolierten Heimen untergebracht. Das interdisziplinäre, studentische Projekt dre:RAUM, welches an der Technischen Hochschule Köln durchgeführt wird, sucht aktiv Lösungen für ein zukunftsfähiges Zusammenleben mit einem stärkeren Fokus auf der Gemeinschaft. Der vordere Teil des Namens setzt sich aus den Adjektiven dezentral und regenerativ zusammen und ergibt die Drehung, die symbolisch für das Schließen von Kreisläufen steht.

Das Ziel ist die Schaffung von nachhaltigem Raum durch den Umbau von ausgedienten (Industrie-)Hallen

  • als Lehrobjekt – an dem Studenten Gelerntes umsetzen können, Neues erarbeiten und das erlernte Wissen der Allgemeinheit unter Open Source Lizenzen zur Verfügung stellen,
  • als Wohnraum – in dem kooperatives Leben generationsübergreifend und unabhängig von Einkommen möglich ist,
  • und als Begegnungsstätte – in der nachhaltige Lebensformen für jeden greifbar sind, ohne in die Privatsphäre der Bewohner einzugreifen.

Die Umnutzung von Hallen wurde aus Nachhaltigkeitsaspekten heraus gewählt. So gelingt es, auch den Bedarf an grauer Energie (die Energie, die in ein Gebäude eingebracht wird, um es aufzubauen oder auch Vorgängergebäude abzureißen) zu senken.

Umsetzung

dre:RAUM wird zurzeit von Christian Brosig organisiert und koordiniert. In absehbarer Zeit soll dies jedoch wieder in eine Projektgruppe bzw. einen Verein überführt werden, der sowohl aus Studierenden als auch Nicht-Studierenden bestehen kann. In Kooperation mit der TH Köln wurden und werden von Studierenden in möglichst interdisziplinären Seminaren Konzepte zu konkreten Hallen entwickelt. Verfolgt wird ein modularer Ansatz. Dieser ermöglicht es zum einen, Module vorab als Prototypen zu testen. Zum anderen soll der modulare Ansatz die Möglichkeiten bieten, die Konzepte auch in andere Hallen zu übertragen und die Bewohner*innen in die Raumgestaltung eingreifen können. Bereits erstellte Konzepte werden nach dem Open-Source-Ansatz weiterentwickelt.

Längerfristig soll kooperatives Wohnen in einer solchen Halle umgesetzt werden. Dieses ist gekennzeichnet durch gemeinschaftlich genutzte Räume, die zu mehr Kooperation zwischen den Bewohnern anregen und die Pro-Kopf-Wohnfläche senken, bei gleichzeitig mehr nutzbarem Raum für jeden. Die Bereitschaft zur gemeinschaftlichen Nutzung bestimmter Räumlichkeiten ist von Person zu Person unterschiedlich. Berücksichtigt werden große Wohngemeinschaften in denen auch die Bäder und die Küche geteilt werden, wie auch Familien, kleine WG’s und kleine Single-Wohnungen. Große Gemeinschaftsräume für die Freizeit und zum Arbeiten werden allen zugänglich gemacht. Darüber hinaus soll über geeigneten Einbezug bspw. eines Cafés auch der Nachbarschaft und breiten Öffentlichkeit ein Zutritt zur Gemeinschaft möglich sein. Auch grüne und offene Flächen wie eine Terrasse sind in den Konzepten erwünscht.

Zeitlicher Rahmen

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Eine erste Projektgruppe der erneuerbaren Energien startete bereits im Wintersemester 2014/15. Dabei wurden Grundsteine zur Versorgung der Halle gelegt und herausgearbeitet, welche erneuerbaren Energieformen generell in innerstädtischen Hallen regional nutzbar sind. Im Sommersemester 2015 stießen dazu ein Kurs von Architekten, die in Absprache mit den „EE’lern“ die zwei architektonischen Konzepte ausarbeiteten, sowie eine Gruppe von BWL-Studierenden, die ein Finanzkonzept mit Handbuch erstellten und dabei auf Zahlen der beiden anderen Gruppen zurückgriffen. Die zweite Gruppe der EE’ler knüpfte an das Energiekonzept an. Nun ging es darum, dieses zu modularisieren – sowohl die Auslegung, als auch die Technik an sich. Ein Kurs von Studierenden der Sozialen Arbeit untersuchte verschiedene Ansätze des gemeinschaftlichen Wohnens und die Voraussetzungen und Bedürfnisse von (älteren) Menschen vor Allem in Bezug auf die gewählte Wohnform in einer Halle. Zwei Studierende beschäftigen sich außerdem mit den Nutzungspotentialen von Demand-Side-Management (der Nutzungsverschiebung von Geräten, um eigene Erträge von erneuerbaren-Energie-Anlagen besser zu nutzen) und den klimatischen Effekten von Moosen in Bezug auf die Halle.

Im nächsten Semester soll die Statik der Module thematisiert werden. Außerdem geht es um die Konkretisierung der technischen Konzepte und damit die Planung des ersten Prototypen.